Ich bin doch kein Schaf!

Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Johannes 10,11a.27-28a)

„Der Herr ist mein Hirte“ – und ich bin sein Schaf? Nein, danke! Ich fresse doch kein Gras und stehe den ganzen Tag unter Aufsicht des Schäfers in der Landschaft herum. Genauso wenig ist der Pfarrer für „seine Schäfchen“ zuständig und in Klauenpflege und Schafschur kundig. Trotzdem ist das Bild vom guten Hirten stark. Jesus sagt von sich: „Ich bin der gute Hirte.“ Dieser Satz hat die Vorstellungen über ihn geprägt. Früher hingen gerahmte Bilder in vielen Wohnzimmern, die Jesus mit einem Lämmchen auf dem Arm zeigten. Jesus hat oft eindrückliche Beispiele und Geschichten aus der Landwirtschaft verwendet. Er sprach vom Gegensatz eines guten Hirten, der sich mit Leib und Leben für die Herde einsetzt, und eines landwirtschaftlichen Leiharbeiters, der sich aus dem Staub macht, wenn der Herde Gefahr droht.

In den Worten vom guten Hirten, der für seine Schafe sogar sein eigenes Leben lässt, klingt das Schicksal von Jesus an. Er starb als Unschuldiger am Kreuz. Seine Nachfolgerinnen und Nachfolger sagten später: Er starb nicht vergeblich. Er starb für uns. Er starb für die Welt. „Ich lasse mein Leben für die Schafe“, lässt das Johannesevangelium Jesus sagen. Das sinnlose Sterben von Jesus war nicht vergeblich: Gott zeigt in Jesus, dass er an der Seite aller Menschen steht, die leiden. Gott zeigt, dass er nicht von Weitem zuschaut, sondern uns nahe ist, wenn es uns schlecht geht.

„Meine Schafe hören meine Stimme“, sagt Jesus. Die Schafe kennen die Stimme ihres Schäfers. Wenn sie sie hören, wissen sie instinktiv: Diesem Menschen können wir vertrauen. Wir brauchen nicht abzuhauen. Der Schäfer will uns Gutes, selbst wenn er mit dem Schermesser kommt. Auch die Stimme von Jesus ist heute noch hörbar. In den Evangelien kann man nachlesen, was er gesagt hat. Über sich, über Gott und die Welt. Seine Stimme tut gut. Sie sagt uns: Gott wurde Mensch. Gott liebt die Welt – auch wenn es nicht immer danach aussieht. Gott kennt jeden einzelnen Menschen. Weil er uns hier haben wollte, leben wir. Und selbst im Tod verlässt er uns nicht.

Herzliche Grüße, Pfarrer Konrad Köhnlein, Ev. Kirchengemeinde Pfedelbach

 


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