Gekommen, um zu dienen

Bild SteineDer Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Im Gegenteil: Er ist gekommen, um anderen zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele Menschen.

 

Dieses Jahr ist wieder einmal ein Superwahljahr. Viele Landtagswahlen und die Bundestagswahl stehen im Kalender. Wir in Baden-Württemberg haben ja schon am 14. März unser Kreuzchen gemacht.

Früher beherrschten uns Fürsten und Könige. Sie wähnten sich von Gott eingesetzt und beanspruchten uneingeschränkte Macht.

Heute leben wir – Gott sei Dank – in einer Demokratie. Wir sind das Volk. Wir haben die Macht. Wir sind der Souverän. Die Regierenden sind Dienerinnen und Diener des Volkes.

So hat sich auch Jesus präsentiert: Nicht als Machthaber, sondern als Diener.

Sein Dienen geht jedoch viel weiter als das aller Staatsdiener.

Jesus dient, indem er sein Leben hingibt.

 

Es fängt damit an, dass Jesus nicht in einem Palast zur Welt kommt. Er wird in keine aus edlem Holz geschnitzte Wiege gelegt, sondern in eine Krippe, einen herbeigeholten Futtertrog. Jesus fasst Aussätzige an und heilt sie. Er spricht mit Frauen – das war damals ein Tabu – und riskiert seinen guten Ruf. Zuletzt lässt er sich für seine Botschaft ans Kreuz schlagen. Er lässt sich lieber ohne Gegenwehr töten, als seinen Feinden ein Haar zu krümmen. 

All dies geschah vor 2000 Jahren. Eigentlich ist das viel zu lange her, als dass es etwas mit uns zu tun haben könnte. Und doch ist diese Hingabe von Jesus in seinem Leben und seinem Tod alles für uns.

In der Hingabe seines Lebens, zeigt Jesus wie Gott ist. Er zeigt, wie Gott mit uns Menschen heute noch handelt:

Wie dem Aussätzigen damals kommt er auch uns nahe und berührt uns an unseren empfindlichen Stellen. Wie bei Zachäus, dem Zöllner damals, kehrt Gott auch heute bei uns ein. Er ist in unserem Leben da und hilft uns, fröhlich und freigiebig zu werden. Wie Jesus damals, so spricht auch Gott heute noch mit seiner leisen Stimme der Liebe und flüstert uns zu: Du, Mensch, bist wertvoll.

Wie Jesus damals, lässt sich auch Gott heute noch lieber verspotten und betrügen als seine Feinde zu zerschmettern. Er ist freundlich und barmherzig zu allen Menschen.

Dass Gott sich in Jesus auf diese Weise vorgestellt hat, gibt mir Mut und Zuversicht. Gott ist keiner, vor dem wir Angst haben müssen. Unsere Vorfahren sprachen oft von „Gottesfurcht“. Das ist etwas anderes als Angst. Gottesfurcht meint: Ich habe Respekt vor dem, der mein Leben gewollt hat und der mich liebt. Ich bin mir bewusst, dass ich mit meinem Leben vor ihm in der Verantwortung stehe. Gottesfurcht ist also nichts Schlechtes. Angst hingegen lähmt und lässt uns erstarren. Wenn wir Angst vor Gott haben, kann das zur Folge haben, dass wir uns gar nicht mehr richtig zu leben trauen. Wir könnten ja etwas falsch machen und dann haut Gott drauf.

 Nein! Mit dem Gott, den uns Jesus gezeigt hat, können wir mutig leben und lieben. Wir können Erfolg haben und scheitern, Gutes tun und Fehler begehen. – Gott lässt uns in all dem nicht allein und niemals im Stich.

 Es grüßt Sie herzlich, Pfarrer Konrad Köhnlein, Ev. Kirchengemeinde Pfedelbach

 


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